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Diagnose

Sarkopenie

Muskelkraft aufbauen in jedem Alter

Verfasst und geprüft von Dimitrios RallisAktualisiert: 16 wissenschaftliche QuellenMehr über den Therapeuten

Was ist das?

Fortschreitender Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse, der über das normale altersbedingte Maß hinausgeht. Sarkopenie ist seit 2016 als eigenständige Erkrankung anerkannt und betrifft vor allem Menschen ab 65 Jahren. Sie ist beeinflussbar — Muskelaufbau ist in jedem Alter möglich.

Symptome

Nachlassende Kraft im Alltag (Flaschen öffnen, Einkaufstüten tragen), verlangsamtes Gehen, Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Stuhl oder Treppensteigen. Erhöhte Sturzneigung und allgemeine Unsicherheit bei Bewegungen. Die Veränderungen entwickeln sich oft schleichend über Monate und Jahre.

Prognose

Abhängig davon, wie früh Sarkopenie erkannt und behandelt wird. Krafttraining verbessert nachweislich Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und Alltagsfunktion — auch bei Menschen über 80. Ohne Gegenmaßnahmen schreitet der Muskelverlust fort und erhöht das Risiko für Stürze, Frakturen und Pflegebedürftigkeit.

Sofortmaßnahmen

Mit leichtem Krafttraining beginnen, auch zuhause möglich (Aufstehen vom Stuhl, Wandliegestütze, Kniebeugen mit Festhalten). Auf ausreichend Protein in jeder Mahlzeit achten. Vitamin-D-Spiegel ärztlich prüfen lassen. Bei Sturzangst oder deutlicher Kraftminderung physiotherapeutische Beratung aufsuchen.

Was ist Sarkopenie?

Sarkopenie bezeichnet den überdurchschnittlichen Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse, der über die normale altersbedingte Abnahme hinausgeht. Der Name kommt aus dem Griechischen: "sarx" (Fleisch) und "penia" (Mangel). Seit 2016 ist Sarkopenie als eigenständige Erkrankung anerkannt und nicht mehr nur eine Begleiterscheinung des Alterns.

Ab dem 30. Lebensjahr verliert der Mensch pro Jahrzehnt etwa 3 bis 8 Prozent seiner Muskelmasse. Dieser natürliche Prozess beschleunigt sich ab dem 60. Lebensjahr deutlich. Bei Sarkopenie ist dieser Verlust so ausgeprägt, dass Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit und letztlich die Selbstständigkeit im Alltag beeinträchtigt werden.

Sarkopenie ist keine unvermeidliche Folge des Alterns. Der Muskel reagiert in jedem Alter auf Trainingsreize. Selbst bei Menschen über 80 Jahren führt Krafttraining zu messbaren Verbesserungen von Kraft und Funktion. Das unterscheidet Sarkopenie von vielen anderen altersassoziierten Erkrankungen: Die wirksamste Therapie steht jedem zur Verfügung und hat keine Nebenwirkungen.

Typische Symptome

Die Veränderungen bei Sarkopenie entwickeln sich oft schleichend über Monate und Jahre. Viele Betroffene bemerken die Anzeichen erst, wenn die Einschränkungen im Alltag deutlich spürbar werden.

  • Nachlassende Griffstärke: Flaschen öffnen, Einkaufstüten tragen oder ein Handtuch auswringen fällt zunehmend schwer
  • Verlangsamtes Gehen: Die Gehgeschwindigkeit nimmt ab, Fußgänger-Ampeln werden knapp
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen: Aus dem Stuhl oder der Badewanne hochkommen erfordert die Arme als Hilfe
  • Treppensteigen wird mühsam: Insbesondere das Hinaufgehen erfordert zunehmend Anstrengung, ein Geländer wird unverzichtbar
  • Erhöhte Sturzneigung: Unsicherheit beim Gehen, insbesondere auf unebenem Untergrund
  • Erschöpfung bei Alltagsaktivitäten: Einkaufen, Gartenarbeit oder längere Spaziergänge strengen unverhältnismäßig an

Diese Anzeichen sind keine normalen Alterserscheinungen, die man hinnehmen muss. Sie sind ein Signal, aktiv zu werden. Je früher Sarkopenie erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.

Sofort ärztlich abklären bei

  • Rasch fortschreitender Kraftverlust (Wochen statt Monate — Hinweis auf neuromuskuläre Erkrankung)
  • Unerklärbarer Gewichtsverlust über 5 Prozent in 6 Monaten (Kachexie-Abklärung)
  • Schluckbeschwerden oder Atemschwäche (Hinweis auf systemische Myopathie)
  • Begleitende Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen (neurologische Abklärung)

Ursachen und Risikofaktoren

Sarkopenie entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einige sind nicht beeinflussbar, viele jedoch schon — und genau dort setzt die Therapie an.

Das Alter ist der stärkste Risikofaktor. Ab dem 60. Lebensjahr beschleunigt sich der Muskelverlust, ab dem 70. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse um etwa 1 Prozent pro Jahr ab, die Muskelkraft sogar um 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Ursachen auf Zellebene sind der Verlust motorischer Nervenzellen, die Abnahme schneller Muskelfasern (Typ II) und hormonelle Veränderungen.

Bewegungsmangel verstärkt den Muskelverlust erheblich. Bettlägerigkeit oder längere Immobilität (nach Krankenhausaufenthalt, Operation oder Erkrankung) können den Muskelschwund in wenigen Wochen drastisch beschleunigen.

Unzureichende Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Im Alter nimmt häufig der Appetit ab, die Proteinzufuhr sinkt und der Körper verwertet Nahrungsprotein weniger effizient (anabole Resistenz). Dadurch entsteht ein Teufelskreis: weniger Muskelmasse führt zu weniger Aktivität, weniger Aktivität zu weniger Appetit, weniger Appetit zu noch weniger Muskelmasse.

Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzinsuffizienz, COPD, Arthrose und Depression können Sarkopenie fördern — sowohl direkt als auch über Inaktivität und Appetitminderung. Bestimmte Medikamente (insbesondere Kortikosteroide bei Langzeiteinnahme) können den Muskelverlust zusätzlich beschleunigen.

Die Erkenntnis: Die meisten Risikofaktoren sind beeinflussbar. Krafttraining und Ernährung setzen direkt an den Ursachen an.

Diagnostik (inkl. Differenzialdiagnosen)

Die Diagnose folgt dem international anerkannten EWGSOP2-Algorithmus, der 2019 vom European Working Group on Sarcopenia in Older People veröffentlicht wurde. Er teilt die Diagnostik in vier Stufen ein.

Screening: Der SARC-F-Fragebogen umfasst fünf einfache Fragen zu Kraft, Gehfähigkeit, Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen und Stürzen. Ab 4 von 10 Punkten besteht Verdacht auf Sarkopenie. Das Screening kann in der Arztpraxis, in der Physiotherapie oder sogar zuhause durchgeführt werden.

Muskelkraft: Bei positivem Screening wird die Handgriffstärke gemessen (Grenzwert: unter 27 kg bei Männern, unter 16 kg bei Frauen) oder der Chair-Stand-Test durchgeführt (5-maliges Aufstehen in 15 Sekunden oder mehr gilt als auffällig). Liegt die Kraft unter dem Grenzwert, besteht eine wahrscheinliche Sarkopenie — und es besteht bereits Handlungsbedarf.

Muskelmasse: Zur Bestätigung der Diagnose wird die Muskelmasse gemessen, am genauesten mit DXA (Knochendichtemessung) oder alternativ mit BIA (bioelektrische Impedanzanalyse).

Schweregrad: Gehgeschwindigkeit unter 0,8 Meter pro Sekunde oder ein auffälliger Timed-Up-and-Go-Test kennzeichnen eine schwere Sarkopenie mit erhöhtem Sturzrisiko.

Abzugrenzen ist Sarkopenie von Kachexie (krankheitsbedingter Muskelverlust bei Krebs oder schweren Organerkrankungen), entzündlichen Muskelerkrankungen und neuromuskulären Störungen. Bei raschem Kraftverlust oder begleitenden neurologischen Symptomen ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Natürlicher Verlauf und Prognose

Ohne Gegenmaßnahmen schreitet Sarkopenie fort. Der Muskelverlust beschleunigt sich mit zunehmendem Alter, und der daraus entstehende Teufelskreis — weniger Kraft, weniger Bewegung, noch weniger Kraft — kann in Pflegebedürftigkeit münden. Sarkopenie erhöht das Sturzrisiko um 60 bis 89 Prozent und das Frakturrisiko um 71 bis 84 Prozent. Oberschenkelhalsbrüche nach Stürzen sind eine der häufigsten und folgenreichsten Komplikationen.

Die Prognose ändert sich jedoch grundlegend, wenn Krafttraining und Ernährungsanpassung eingeleitet werden. Aktuelle Metaanalysen aus 2024 und 2025 zeigen konsistent: Auch bei bereits diagnostizierter Sarkopenie verbessert Krafttraining die Muskelkraft, die Gehgeschwindigkeit und die funktionelle Leistungsfähigkeit signifikant — auch bei Menschen über 80 Jahren.

Der Verlauf hängt von mehreren Faktoren ab: Wie früh wird die Sarkopenie erkannt? Wie konsequent wird trainiert? Wie ist die Ernährungslage? Welche Begleiterkrankungen liegen vor? Früherkennung und frühe Intervention führen zu deutlich besseren Ergebnissen, weil es einfacher ist, vorhandene Muskelmasse zu erhalten als verlorene Muskelmasse wiederherzustellen.

Faktoren, die den Verlauf positiv beeinflussen: regelmäßiges Krafttraining, ausreichende Proteinzufuhr, körperliche Aktivität im Alltag, guter Vitamin-D-Status, Behandlung von Begleiterkrankungen. Faktoren, die den Verlauf verschlechtern: anhaltende Inaktivität, Untergewicht, Malnourishment, längere Immobilität (Krankenhausaufenthalt, Bettlägerigkeit), soziale Isolation.

Sarkopenie behandeln: Krafttraining in jedem Alter

Ziele: Muskelkraft und Muskelmasse verbessern, Sturzrisiko senken, Alltagsfunktion und Selbstständigkeit erhalten. Krafttraining ist die einzige Therapie, die ursächlich an der Sarkopenie ansetzt. Es gibt kein Medikament, das Krafttraining ersetzen könnte.

Krafttraining als Kernelement

Die aktuellen internationalen Leitlinien und Metaanalysen sind eindeutig: Progressives Krafttraining verbessert Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und funktionelle Leistungsfähigkeit bei Sarkopenie signifikant. Empfohlen werden 2 bis 3 Trainingseinheiten pro Woche mit Übungen für die großen Muskelgruppen. Die Intensität sollte moderat bis hoch sein (60 bis 85 Prozent der Maximalkraft), der Umfang 1 bis 3 Sätze mit 6 bis 12 Wiederholungen. Zwischen den Trainingseinheiten liegen mindestens 48 Stunden Pause.

Krafttraining wirkt in jedem Alter

Muskelkraft und Muskelmasse nehmen auch bei Menschen über 80 und 90 Jahren durch Krafttraining messbar zu. Der Muskel reagiert in jedem Alter auf Trainingsreize — der Einstieg ist in jedem Alter sinnvoll und sicher.

Progressive Resistance — Muskelaufbau stufenweise

1Stufe 1 — Grundaktivitättäglich

Aktiver Alltag als Fundament. Jede Bewegung zählt — mehr Bewegung ist besser als weniger.

GehenTreppensteigenHausarbeitGarten
2Stufe 2 — Eigengewichtsübungen2–3×/Woche

Einstieg ins strukturierte Krafttraining. Einfache Übungen mit eigenem Körpergewicht.

Aufstehen vom StuhlWandliegestützFersenhebenKniebeugen
3Stufe 3 — Widerstandstraining2×/Woche

Training mit externem Widerstand. Progressive Steigerung — das ist der entscheidende Reiz.

TherabandLeichte HantelnWasserflaschenGerätetraining
4Stufe 4 — Schweres Krafttraining2×/Woche

Fortgeschrittenes Training mit signifikanten Gewichten. Maximaler Muskelaufbau-Reiz.

KreuzhebenKniebeugen mit GewichtBeinpresseRudern

Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Übergang zur nächsten Stufe erst wenn die aktuelle Belastung beschwerdefrei toleriert wird.

Ernährung als zweite Säule

Ausreichende Proteinzufuhr unterstützt den Muskelaufbau, kann Krafttraining aber nicht ersetzen. Empfohlen werden mindestens 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, optimal verteilt auf alle Mahlzeiten (25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit). Leucin-reiche Proteinquellen (Milchprodukte, Eier, Fisch) sind besonders wirksam. Ältere Menschen benötigen mehr Protein als jüngere, weil der Muskel weniger effizient auf Nahrungsprotein reagiert (anabole Resistenz). Vitamin D sollte bei nachgewiesenem Mangel supplementiert werden.

Balance- und Sturzpräventionstraining

Ergänzend zum Krafttraining verbessern Balance- und Koordinationsübungen die Standsicherheit und reduzieren das Sturzrisiko. Beides zusammen — Kraft und Balance — ist wirksamer als eine Maßnahme allein.

Langfristige Betreuung

Sarkopenie ist eine chronische Erkrankung, die langfristiges Management erfordert. Regelmäßige Evaluation von Kraft, Funktion und Ernährungsstatus durch den Physiotherapeuten oder Arzt hilft, den Trainingspfad anzupassen und Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen. Training ist keine kurzfristige Maßnahme — es ist eine dauerhafte Investition in die eigene Selbstständigkeit.

Schwäche, Rückzug und die Angst vor Hilfsbedürftigkeit

Sarkopenie verändert nicht nur den Körper, sondern auch den Alltag. Die Einkaufstüten werden zu schwer, der Weg zur Straßenbahn zu weit, das Aufstehen vom Stuhl zur kleinen Kraftanstrengung. Viele Betroffene reagieren darauf, indem sie Aktivitäten einschränken — nicht weil sie es wollen, sondern weil sie sich sicherer fühlen, wenn sie weniger zumuten.

Genau dort beginnt der Teufelskreis. Wer weniger geht, wird noch schwächer. Wer Treppen meidet, verliert noch mehr Kraft in den Beinen. Wer Stürze fürchtet, bewegt sich vorsichtiger — und das Gleichgewichtssystem wird weniger gefordert. Die Angst vor dem nächsten Sturz, vor Hilfsbedürftigkeit, vor dem Verlust der eigenen Wohnung ist bei älteren Menschen mit nachlassender Kraft weit verbreitet. Sie ist berechtigt — und gleichzeitig eine der stärksten Bremsen für das, was tatsächlich helfen würde: Bewegung.

Depressive Symptome und Sarkopenie stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Muskelverlust erhöht das Risiko für depressive Verstimmungen, und Depression führt zu weniger Bewegung, schlechterer Ernährung und sozialem Rückzug — was den Muskelverlust beschleunigt. Auch sichtbare Veränderungen wie dünner werdende Arme oder eingefallene Oberschenkel können Scham auslösen, wodurch Einladungen abgesagt und der Bewegungsradius kleiner wird.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Forschung lautet: Muskeln reagieren in jedem Alter auf Training. Kraftzuwächse sind auch bei über 80-Jährigen messbar und alltagsrelevant — bessere Gehgeschwindigkeit, sichereres Aufstehen, weniger Stürze. Das ist kein Motivationsspruch, sondern evidenzbasiert. In der Behandlung arbeiten wir in kleinen, sicheren Schritten: erst wieder zutrauen, dann belasten, dann aufbauen. Jede Trainingseinheit, die gelingt, verkleinert die Angst und vergrößert den Bewegungsradius wieder.

Prävention

Sarkopenie lässt sich durch frühzeitige Maßnahmen verhindern oder zumindest deutlich verzögern. Der wichtigste Grundsatz: Muskelmasse erhalten ist einfacher als verlorene Muskelmasse wiederaufbauen.

Krafttraining ab dem mittleren Erwachsenenalter ist die wirksamste Prävention. Bereits 2 Einheiten pro Woche mit Übungen für die großen Muskelgruppen genügen, um den altersbedingten Muskelverlust zu verlangsamen oder aufzuhalten. Das Training muss keine schweren Gewichte beinhalten — auch Körpergewichtsübungen, Widerstandsbänder und leichte Hanteln sind wirksam, solange die Intensität stimmt.

Körperliche Aktivität im Alltag — Treppensteigen statt Aufzug, Spaziergänge, Gartenarbeit — unterstützt den Muskelerhalt zusätzlich, ersetzt aber kein gezieltes Krafttraining.

Ausreichende Proteinzufuhr über die gesamte Lebensspanne ist ein weiterer Schutzfaktor. Viele ältere Menschen essen zu wenig Protein, oft unbewusst. Eine proteinreiche Mahlzeit zu jeder Tageszeit (nicht nur abends) unterstützt den Muskelerhalt optimal.

Früherkennung ab 65 Jahren ist empfohlen. Einfache Tests wie Griffstärke, Gehgeschwindigkeit und der Chair-Stand-Test können in der Physiotherapie oder Arztpraxis durchgeführt werden. Der SARC-F-Fragebogen erlaubt sogar ein erstes Selbst-Screening zuhause.

Längere Phasen der Bettlägerigkeit (nach Operationen, Krankenhausaufenthalten oder Erkrankungen) beschleunigen den Muskelverlust drastisch. Frühe Mobilisierung und angeleitete Bewegung nach Krankenhausaufenthalten sind entscheidend, um den Muskelverlust zu begrenzen.

Häufige Fragen

Ja. Studien zeigen, dass Muskelkraft und Muskelmasse auch bei Menschen über 80 und 90 Jahren durch Krafttraining messbar zunehmen. Der Muskel reagiert in jedem Alter auf Trainingsreize. Entscheidend ist ein angepasstes, regelmäßiges Programm mit schrittweiser Steigerung. Der Einstieg ist in jedem Alter sinnvoll und sicher.

Typische Hinweise sind nachlassende Griffstärke, langsameres Gehen, Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Stuhl oder beim Treppensteigen. Der SARC-F-Fragebogen mit fünf einfachen Fragen ist ein erstes Screening. Die Diagnose wird durch Messung der Handgriffstärke und bei Bedarf der Muskelmasse (DXA oder BIA) bestätigt. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann diese Tests durchführen.

Krafttraining ist die wirksamste Maßnahme. Empfohlen werden 2 bis 3 Einheiten pro Woche mit Übungen für die großen Muskelgruppen (Beine, Rumpf, Arme). Die Intensität sollte moderat bis hoch sein und schrittweise gesteigert werden. Übungen wie Kniebeugen, Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen und Widerstandstraining mit Bändern oder Gewichten sind geeignet. Supervision durch einen Physiotherapeuten verbessert die Ergebnisse und Sicherheit.

Die aktuelle Empfehlung liegt bei mindestens 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, verteilt auf alle Mahlzeiten (25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit). Gute Quellen sind Milchprodukte, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte und mageres Fleisch. Protein allein reicht jedoch nicht — die Kombination mit Krafttraining ist entscheidend, um die Muskelmasse tatsächlich zu verbessern.

Sarkopenie lässt sich durch konsequentes Krafttraining und angepasste Ernährung in vielen Fällen deutlich verbessern oder aufhalten. Eine vollständige Umkehr hängt vom Ausgangszustand und der Konsequenz der Maßnahmen ab. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Ergebnisse. Auch bei fortgeschrittener Sarkopenie sind Verbesserungen von Kraft und Funktion möglich.

Aktuell gibt es keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung von Sarkopenie. Krafttraining und ausreichende Proteinzufuhr sind die einzigen evidenzbasierten Therapien. Vitamin-D-Supplementierung wird bei nachgewiesenem Mangel empfohlen, ersetzt aber kein Training. Verschiedene Wirkstoffe befinden sich in der Erforschung, sind aber noch nicht verfügbar.

Regelmäßiges Krafttraining ist die wirksamste Prävention gegen Sarkopenie — idealerweise bereits ab dem mittleren Erwachsenenalter, da ab dem 30. Lebensjahr 3 bis 8 Prozent Muskelmasse pro Jahrzehnt verloren gehen. Ausreichende Proteinzufuhr (1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich), körperliche Aktivität im Alltag und ein gesunder Vitamin-D-Spiegel unterstützen den Erhalt der Muskelmasse. Früherkennung durch einfache Tests wie Griffstärke und Gehgeschwindigkeit wird ab 65 Jahren empfohlen.

Sarkopenie erhöht das Sturzrisiko um 60 bis 89 Prozent und das Frakturrisiko um 71 bis 84 Prozent. Stürze und Frakturen — insbesondere Oberschenkelhalsbrüche — können bei älteren Menschen zu Pflegebedürftigkeit und erhöhter Sterblichkeit führen. Durch frühzeitige Behandlung mit Krafttraining lassen sich diese Risiken deutlich senken.

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Zuletzt aktualisiert: 2026-04-13

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