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Diagnose

Schulterprothese

Sicher erholen nach dem Schultergelenkersatz

Verfasst und geprüft von Dimitrios RallisAktualisiert: 12 wissenschaftliche QuellenMehr über den Therapeuten

Was ist das?

Künstlicher Ersatz des Schultergelenks bei fortgeschrittener Arthrose, Sehnendefekt-Arthropathie oder komplexen Frakturen. Je nach Zustand der Rotatorenmanschette wird eine anatomische oder inverse (umgekehrte) Prothese eingesetzt. Die inverse Prothese ist inzwischen die am häufigsten implantierte Variante. Ziel ist die Wiederherstellung einer schmerzarmen, funktionsfähigen Schulter.

Symptome

Nach der Operation: Schmerz, Schwellung und eingeschränkte Beweglichkeit im operierten Schultergelenk. Die Schulter wird anfangs in einer Schlinge ruhiggestellt. In den folgenden Wochen nehmen Schmerz und Schwellung schrittweise ab, während Beweglichkeit und Kraft zunehmen. Leichte Schwellung und Wärme in den ersten Wochen sind normal.

Prognose

Gute Langzeitergebnisse: Nach zehn Jahren funktionieren über 94 Prozent der inversen Prothesen zuverlässig. Die meisten Patienten berichten über deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung. Entscheidend sind realistische Erwartungen, gute präoperative Vorbereitung und konsequente Rehabilitation.

Sofortmaßnahmen

Frühe Mobilisation ist sicher und empfohlen. Schlingenversorgung für die ersten Wochen nach OP-Protokoll. Frühzeitig mit angeleiteten Pendel- und Bewegungsübungen beginnen. Bei plötzlich zunehmender Schwellung, Rötung, Fieber oder starkem Schmerz sofort ärztlich abklären.

Was ist eine Schulterprothese?

Bei einer Schulterprothese (Schulter-TEP) werden die Gelenkflächen des Schultergelenks durch künstliche Komponenten ersetzt. Der Oberarmkopf erhält einen Metallkopf mit Schaft, die Gelenkpfanne eine Kunststoff- oder Metallauflage. Ziel ist die Wiederherstellung einer schmerzarmen, funktionsfähigen Schulter.

Je nach Zustand der Rotatorenmanschette — der Sehnenkappe, die das Schultergelenk stabilisiert — kommen zwei Prothesentypen zum Einsatz. Die anatomische Totalendoprothese bildet die natürliche Gelenkform nach: Kugelkopf am Oberarm, Pfanne am Schulterblatt. Sie erfordert eine intakte Rotatorenmanschette und bietet in der Regel die beste Außenrotation. Die inverse Schulterprothese kehrt die Gelenkgeometrie um: Die Kugelkomponente sitzt am Schulterblatt statt am Oberarm. Dadurch kann der große Deltamuskel die Funktion der fehlenden Sehnenkappe übernehmen. Der Nachteil: Die Außenrotation kann etwas eingeschränkter sein (etwa elf Grad weniger), was im Alltag meist keine wesentliche Rolle spielt.

Die Zahl der Schulterprothesen steigt weltweit seit Jahren deutlich an. Die inverse Prothese ist inzwischen die am häufigsten implantierte Variante — sie wird zunehmend auch bei Arthrose mit intakter Manschette eingesetzt und zeigt dort ähnliche funktionelle Ergebnisse mit niedrigerer Komplikations- und Revisionsrate. Die Entscheidung für den Prothesentyp wird individuell mit dem Orthopäden getroffen.

Wann ist eine Schulterprothese sinnvoll?

Eine Schulterprothese kommt in Frage, wenn fortgeschrittene Arthrosezeichen zu anhaltenden Schmerzen und Funktionseinschränkungen führen und konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmedikamente und Injektionen über drei bis sechs Monate nicht ausreichend geholfen haben. Die Entscheidung richtet sich nach dem Leidensdruck und der Alltagseinschränkung — nicht nach dem Röntgenbild allein.

Die häufigsten Indikationen sind: Fortgeschrittene primäre Schulterarthrose mit intakter oder geschädigter Rotatorenmanschette, Defektarthropathie (Arthrose durch langbestehenden großen Rotatorenmanschettenriss), komplexe Schulterfrakturen bei älteren Patienten und entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis.

Nicht jede Schulterarthrose braucht eine Prothese. Veränderungen am Gelenkknorpel gehören zum natürlichen Älterwerden und bedeuten nicht automatisch, dass eine Operation nötig ist. Bei leichter bis mittlerer Arthrose ist konservative Behandlung mit Physiotherapie, Kräftigung und Schmerzmanagement oft über Jahre wirksam. Mehr dazu auf unserer Seite zu Schulterarthrose.

Die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Orthopäden getroffen und berücksichtigt den Leidensdruck, die Alltagseinschränkung, den Zustand der Rotatorenmanschette und die individuellen Erwartungen. Bei Patienten unter 60 Jahren wird die Indikation besonders sorgfältig gestellt, weil das Revisionsrisiko höher ist — das revisionsfreie Überleben liegt nach zehn Jahren bei etwa 76 Prozent gegenüber über 94 Prozent bei älteren Patienten.

Typische Beschwerden nach der OP

Nach der Operation sind folgende Beschwerden normal und bessern sich mit der Rehabilitation schrittweise:

Schmerz und Schwellung im operierten Schultergelenk — am stärksten in den ersten Tagen, dann abnehmend über Wochen.

Eingeschränkte Beweglichkeit — die Schulter wird anfangs mit einer Schlinge ruhiggestellt. Überkopf-Bewegungen und Außenrotation sind in den ersten Wochen nicht möglich.

Muskelkraftverlust — insbesondere des Deltamuskels und (bei anatomischer Prothese) der Rotatorenmanschette. Die Kraft baut sich über Monate schrittweise wieder auf.

Schlafstörungen — die Schulter ist nachts schwer zu lagern. Seitenlage auf der operierten Seite ist über Wochen nicht möglich. Lagerungshilfen (Kissen, Keilkissen) können helfen.

Abhängigkeit bei Alltagsaktivitäten — Anziehen, Körperpflege und Greifen über Kopf erfordern anfangs Hilfe. Diese Einschränkung ist vorübergehend und geht mit jeder Woche Rehabilitation zurück.

Sofort ärztlich abklären bei

  • Plötzlich zunehmende Schwellung mit Rötung und Überwärmung (Infektionsverdacht)
  • Fieber über 38,5 Grad Celsius in den ersten Wochen postoperativ
  • Anhaltende Wundsekretion oder Wunddehiszenz
  • Zunehmender Schmerz und Funktionsverlust trotz Rehabilitation

Vorbereitung auf die OP — Prähabilitation

Gezielte Vorbereitung vor der Operation verbessert nachweislich die Erholung danach. Empfohlen werden 4–8 Wochen strukturiertes Training vor dem OP-Termin. Die wichtigsten Bausteine sind Kraft, Beweglichkeit und psychische Gesundheit.

Soweit die Schmerzen es zulassen, sollte die Schultermuskulatur bereits vor der OP gekräftigt werden: Pendelübungen für die Beweglichkeit, Schulterblatt-Stabilisation (Rudern, Schulterblatt zusammenziehen), sanfte Deltamuskel-Kräftigung und Körperhaltungsübungen. Der präoperative Bewegungsumfang und die Kraft beeinflussen das postoperative Ergebnis — wer mit besserer Funktion in die OP geht, erholt sich in der Regel schneller. Ergänzend ist aerobes Training sinnvoll: Gehen, Ergometer oder Schwimmen auf einem moderaten Niveau.

Ebenso wichtig ist die psychische Vorbereitung: Was erwartet mich nach der OP? Wie lange dauert die Erholung? Welche Einschränkungen sind normal? Patienten mit Depression oder Angststörungen erzielen nachweislich schlechtere Ergebnisse nach einer Schulterprothese. Ein präoperatives Screening und bei Bedarf eine begleitende Behandlung werden deshalb empfohlen.

Realistische Erwartungen sind entscheidend: Eine Schulterprothese kann Arthroseschmerz zuverlässig lindern und die Funktion deutlich verbessern — aber die volle Schulterbeweglichkeit wird selten vollständig erreicht. Die meisten Patienten sind mit dem Ergebnis zufrieden, wenn sie gut informiert in die Operation gehen.

Rehabilitation nach der OP

Die Rehabilitation beginnt am Tag nach der Operation und erstreckt sich über mehrere Monate. Aktuelle Evidenz zeigt, dass frühe Mobilisation sicher ist — auch bei der inversen Prothese können beschleunigte Protokolle zu vergleichbaren Ergebnissen führen wie konservativere Ansätze.

Rehabilitationsphasen nach Schulterprothese

1Schutz0–6 Wochen

Schlinge, passive und assistierte Bewegungsübungen (Pendelübungen, sanfte Elevation). Außenrotation max. 30 Grad. Schwellungs- und Schmerzmanagement.

Passive Elevation >90 GradSchwellung stabilSchlinge toleriert
2Frühömobilisation6–12 Wochen

Schlinge ablegen. Aktiv-assistierte, dann aktive Bewegungsübungen. Außenrotation bis 60° in Abduktionsstellung. Isometrische Kräftigung für Deltamuskel und Rotatorenmanschette.

Aktive Elevation >90 GradAlltagsaktivitäten möglichSchlinge abgelegt
3Kräftigung12–24 Wochen

Progressive Widerstandsübungen mit Theraband und leichten Gewichten. Funktionelles Training für Alltagsaktivitäten: Greifen über Kopf, Tragen, Anziehen. Schulterblatt-Stabilisation.

Aktive Elevation 140 GradTragen leichter Gegenstände möglichKraft aufgebaut
4Volle Aktivitätab 24 Wochen

Sportspezifisches Training. Schwimmen, Radfahren, Golf und Wandern möglich. Dauerhaftes Kraft- und Beweglichkeitstraining empfohlen.

Sportfreigabe nach KriterienSchmerzfreie AlltagsbelastungDauerhaftes Training etabliert

Die Zeitangaben dienen als Orientierung — die Progression richtet sich nach Ihrem individuellen Verlauf.

Aufklärung und Selbstmanagement

Bewegung statt Schonung

Die neue Schulter ist für Belastung gemacht — kontrollierte Bewegung fördert die Heilung, übermäßige Schonung verzögert sie und verstärkt die Steifigkeit. Frühe Mobilisation innerhalb der OP-Protokolle ist der wichtigste Heilungsreiz.

Realistische Erwartungen an Beweglichkeit und Funktion helfen, den Rehabilitationsprozess durchzuhalten und Frustration zu vermeiden.

Wichtig: Öffentlich verfügbare Rehabilitationsprotokolle weichen teilweise stark von evidenzbasierten Empfehlungen ab. Eine individuell angepasste Rehabilitation in enger Abstimmung mit dem Operateur ist entscheidend.

Langzeitergebnisse und Haltbarkeit

Die Schulterprothese ist eine erfolgreiche Operation mit guten Langzeitergebnissen. Nach zehn Jahren funktionieren über 94 Prozent der inversen Prothesen zuverlässig. Etwa 95 Prozent der Patienten berichten über eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Gleichzeitig erreichen nicht alle die volle erhoffte Funktion — die Außenrotation bleibt bei der inversen Prothese oft etwas eingeschränkt, und manche Überkopf-Aktivitäten können limitiert bleiben. Deshalb ist realistische Aufklärung vor der OP so wichtig.

Die inverse Schulterprothese zeigt bei Arthrose mit intakter Rotatorenmanschette eine niedrigere Revisionsrate als die anatomische Prothese (1,7 Prozent gegenüber 3,9 Prozent) — bei ähnlichen funktionellen Ergebnissen. Die Außenrotation kann bei der inversen Prothese etwa elf Grad geringer ausfallen, was im Alltag meist keine wesentliche Rolle spielt. Die inverse Prothese wird deshalb zunehmend zur Standardversorgung — auch bei intakter Sehnenkappe.

Bei jüngeren Patienten (unter 60 Jahren) sind die Ergebnisse ebenfalls gut, aber das revisionsfreie Überleben ist kürzer — nach zehn Jahren liegt es bei etwa 76 Prozent. Revisionseingriffe haben deutlich höhere Komplikationsraten als Erstimplantationen. Deshalb wird die Indikation bei jüngeren Patienten besonders kritisch gestellt und alternative Behandlungsmöglichkeiten sorgfältig abgewogen.

Faktoren, die gute Langzeitergebnisse begünstigen: Korrekte Indikationsstellung und Prothesentyp-Wahl, guter präoperativer Funktionszustand, realistische Erwartungen, konsequente Rehabilitation und psychische Gesundheit.

Wenn die Schulter nicht mehr selbstverständlich ist

Nach einer Schulterprothese verändert sich nicht nur das Gelenk, sondern auch das Verhältnis zum eigenen Körper. Bewegungen über Kopf — ein Glas aus dem Regal nehmen, die Haare waschen, etwas aufhängen — fühlen sich plötzlich gefährlich an. Die Schulter war vor der Operation schmerzhaft, aber vorhersehbar. Das neue Gelenk ist unbekanntes Terrain.

Was die Schulter von anderen Gelenken unterscheidet: Sie ist das Gelenk der Selbstständigkeit. Sich anziehen, die Körperpflege, nach etwas greifen — plötzlich braucht man Hilfe bei Dingen, die vorher selbstverständlich waren. Diese Abhängigkeit von anderen kann frustrierend sein und das Selbstbild belasten. Wichtig zu wissen: Diese Phase ist vorübergehend und geht mit jeder Woche Rehabilitation zurück.

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Erholungsphase. Die Schulter ist nachts schwer zu lagern, Seitenlage auf der operierten Seite ist über Wochen nicht möglich, und Restschmerz stört den Schlaf. Schlechter Schlaf verstärkt die Schmerzempfindlichkeit und senkt die Belastbarkeit am nächsten Tag — ein Kreislauf, der aktiv durchbrochen werden muss.

Aktuelle Forschung zeigt, dass Depression und Angst die funktionellen Ergebnisse nach einer Schulterprothese erheblich verschlechtern können — unabhängig vom operativen Ergebnis. Deshalb empfehlen Leitlinien ein präoperatives psychologisches Screening und bei Bedarf eine begleitende Behandlung.

In unserer Rehabilitation berücksichtigen wir diese Zusammenhänge von Anfang an. Verständliche Aufklärung über realistische Erwartungen, schrittweise Konfrontation mit Über-Kopf-Bewegungen und gezielte Lagerungsstrategien für die Nacht helfen, nicht nur die Funktion, sondern auch das Vertrauen in die Schulter wiederherzustellen.

Mögliche Komplikationen nach der OP

Die Schulterprothese ist ein sicherer Eingriff, aber wie bei jeder Operation können Komplikationen auftreten. Die meisten lassen sich durch gute Vorbereitung und konsequente Nachbehandlung minimieren.

Protheseninfektion: Das Risiko ist gering, aber die Folgen sind erheblich. Der häufigste Erreger bei Schulterprotheseninfektionen ist Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes) — ein Hautkeim, der in den Haarfollikeln und Talgdrüsen der Schulterregion lebt und bei etwa 76 Prozent aller Schulterprotheseninfektionen nachgewiesen wird. Die stärksten Risikofaktoren für eine Infektion mit diesem Keim sind männliches Geschlecht und stärkere Körperbehaarung im Schulterbereich. Präoperative Hautbehandlung mit Benzoylperoxid reduziert die Keimbesiedlung nachweislich und ist eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme. Allgemeine Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht und Rauchen erhöhen das OP-Risiko insgesamt. Bei Verdacht auf Infektion (zunehmende Rötung, Schwellung, Fieber, Wundsekretion) ist sofortige ärztliche Abklärung notwendig.

Instabilität: Bei etwa 2–5 Prozent der Schulterprothesen kann es zu einer Instabilität kommen. Das Risiko lässt sich durch korrekte Prothesenpositionierung und angemessene Weichteilspannung minimieren. Bei Verdacht auf Ausrenkung (plötzlicher Schmerz, Fehlstellung) sofort ärztlich vorstellen.

Steifigkeit: Eingeschränkte Beweglichkeit nach der OP kann durch zu zurückhaltendes oder zu aggressives Vorgehen in der Frühphase entstehen. Ein an den Prothesentyp angepasstes Rehabilitationsprotokoll in enger Abstimmung mit dem Operateur ist entscheidend.

Glenoidlockerung: Bei anatomischen Prothesen ist die Lockerung der Pfannenkomponente die häufigste Langzeitkomplikation — sie tritt bei bis zu 12 Prozent auf. Die inverse Prothese hat dieses Problem deutlich seltener (unter 1 Prozent), dafür kann ein sogenanntes Scapular Notching auftreten — eine Einkerbung am Schulterblattrand, die bei neueren Prothesendesigns seltener geworden ist und meist keine klinische Bedeutung hat.

Nervenverletzung: Selten (unter 1 Prozent), aber möglich. Taubheit oder Schwäche im Arm nach der OP sollten dem Operateur mitgeteilt werden.

Psychische Faktoren: Depression und Angst können den Erholungsverlauf erheblich beeinflussen — Patienten mit diesen Begleiterkrankungen erzielen nachweislich schlechtere funktionelle Ergebnisse. Ein präoperatives Screening und bei Bedarf eine begleitende Behandlung sind deshalb empfohlen.

Häufige Fragen

Die Rehabilitation erstreckt sich über mehrere Monate. In den ersten sechs Wochen stehen Schutz der Prothese, Schwellungsmanagement und passive Mobilisation im Vordergrund — die Außenrotation wird auf maximal 30 Grad begrenzt. Von Woche 6 bis 12 werden aktive Bewegungen und leichte Kräftigung aufgebaut. Ab Woche 12 folgt progressives Krafttraining. Die volle Belastungsfähigkeit wird ab sechs Monaten angestrebt. Die individuelle Dauer hängt vom Prothesentyp und dem präoperativen Zustand ab.

Das hängt vor allem vom Zustand Ihrer Rotatorenmanschette ab. Ist die Sehnenkappe intakt, wird häufig eine anatomische Totalendoprothese empfohlen. Bei geschädigter oder fehlender Rotatorenmanschette kommt die inverse Schulterprothese zum Einsatz — sie funktioniert über den Deltamuskel statt über die Sehnenkappe. Die inverse Prothese wird zunehmend auch bei intakter Manschette eingesetzt und zeigt dort ähnliche funktionelle Ergebnisse mit niedrigerer Komplikationsrate — allerdings mit etwas weniger Außenrotation. Die Entscheidung wird individuell mit dem Orthopäden getroffen.

Die Haltbarkeit hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Nach zehn Jahren funktionieren über 94 Prozent der inversen Prothesen zuverlässig. Bei jüngeren Patienten unter 60 Jahren ist die Haltbarkeit etwas kürzer — das revisionsfreie Überleben liegt nach zehn Jahren bei etwa 76 Prozent. Revisionseingriffe haben deutlich schlechtere Ergebnisse als Erstimplantationen. Deshalb wird die Indikation bei jüngeren Patienten besonders sorgfältig gestellt.

Nicht unbedingt. Bei einem großen Rotatorenmanschettenriss, der zu einer Defektarthropathie (Arthrose durch fehlende Sehnenkappe) geführt hat, wird direkt eine inverse Schulterprothese eingesetzt. Diese ist speziell dafür konzipiert, auch ohne intakte Rotatorenmanschette zu funktionieren. Eine vorherige Sehnenrekonstruktion ist in diesem Fall nicht nötig.

Ja. Präoperative Optimierung von Kraft, Beweglichkeit und psychischer Gesundheit verbessert die Ausgangslage und kann die Erholung nach der OP unterstützen. Der präoperative Zustand beeinflusst das postoperative Ergebnis — wer mit besserer Funktion in die OP geht, erholt sich in der Regel schneller. Auch die psychische Vorbereitung ist wichtig: Realistische Erwartungen und Vertrauen in den Genesungsprozess verbessern nachweislich das Ergebnis.

Ja, mit Anpassungen. Sportarten mit niedrigem Schulterbelastungsprofil wie Schwimmen, Radfahren, Golf und Wandern sind gut möglich. Von Sportarten mit hoher Schlag- oder Sturzbelastung (Kontaktsport, Überkopfsportarten im Wettkampf) wird abgeraten. Die Sportrückkehr wird individuell besprochen und richtet sich nach dem Prothesentyp, dem operativen Verlauf und der erreichten Funktion.

Die anatomische Prothese bildet die natürliche Gelenkform nach: Kugelkopf am Oberarm, Pfanne am Schulterblatt. Sie erfordert eine intakte Rotatorenmanschette und bietet in der Regel die beste Außenrotation. Die inverse Prothese kehrt die Geometrie um: Die Kugel sitzt am Schulterblatt, die Pfanne am Oberarm. Dadurch kann der Deltamuskel die Funktion der fehlenden Rotatorenmanschette übernehmen. Der Nachteil: Die Außenrotation kann etwas eingeschränkter sein, was im Alltag meist keine wesentliche Rolle spielt.

Sofort ärztlich abklären bei: Plötzlich zunehmender Schwellung und Rötung (Infektionsverdacht), Fieber über 38,5 Grad Celsius, starkem Ruheschmerz der trotz Medikamenten zunimmt, Wundsekretion oder eitriger Absonderung und anhaltender Bewegungseinschränkung trotz regelmäßiger Übung. Leichte Schwellung und Wärme in den ersten Wochen sind normal. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie lieber einmal zu viel als zu wenig bei Ihrem Operateur oder Therapeuten nach.

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Zuletzt aktualisiert: 2026-04-04

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