DR PHYSIO Logo

Diagnose

Schulterarthrose

Beweglich und schmerzarm bleiben

Verfasst und geprüft von Dimitrios RallisAktualisiert: 12 wissenschaftliche QuellenMehr über den Therapeuten

Was ist das?

Natürlicher Umbau des Knorpels im Schultergelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne — begleitet von Veränderungen am Knochen und an der Gelenkinnenhaut. Dritthäufigste große Gelenkarthrose nach Knie und Hüfte. Betrifft vor allem Menschen ab 60 Jahren. Die Veränderungen sind Teil des normalen Alterns — nicht jeder Befund verursacht Beschwerden. Radiologische Arthrosezeichen finden sich auch bei 15 bis 75 Prozent der symptomfreien Schultern.

Symptome

Wichtig vorweg: Viele Menschen mit Arthrosezeichen im Röntgenbild oder MRT haben keinerlei Beschwerden. Arthrosezeichen sind eine natürliche Veränderung, kein automatischer Grund für Schmerz. Schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter, besonders bei Drehung nach außen und seitlichem Armheben. Knirschen oder Reiben bei Bewegung (Krepitation). Schmerz bei Belastung und in fortgeschrittenen Stadien auch nachts. Zunehmende Steifigkeit und Kraftverlust.

Prognose

Besser als oft befürchtet: Etwa 86 Prozent der Schulterbeschwerden bestehen nicht dauerhaft. Der Verlauf ist individuell und hängt stark von Bewegungsverhalten, psychologischen Faktoren und Begleiterkrankungen ab — nicht vom Röntgenbefund allein. Konservative Therapie kann Funktion verbessern und Schmerzen lindern. Bei fortgeschrittener Arthrose ist ein Schultergelenkersatz eine zuverlässige Option mit guten Langzeitergebnissen.

Sofortmaßnahmen

Belastung anpassen, aber Bewegung beibehalten — Ruhe verschlechtert die Symptome langfristig. Schmerzmedikamente (NSAR) können kurzfristig nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden. Kühlen oder Wärme nach individueller Verträglichkeit. Frühzeitig mit Physiotherapie beginnen. Moderate Schmerzen während der Übung sind akzeptabel.

Was ist Schulterarthrose?

Schulterarthrose (Omarthrose) beschreibt einen natürlichen Umbau des Knorpels im Schultergelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne — häufig begleitet von Veränderungen am Knochen und an der Gelenkinnenhaut. Der Knorpel wird dünner und verliert seine glatte Oberfläche. Im Verlauf können sich Knochenanbauten (Osteophyten) und eine Verdichtung des darunterliegenden Knochens entwickeln.

Das ist kein Defekt und kein Zeichen dafür, dass die Schulter "kaputt" ist. Arthrosezeichen gehören zum natürlichen Altern — wie graue Haare für die Gelenke. Die Schulterarthrose ist die dritthäufigste große Gelenkarthrose nach Knie und Hüfte. Radiologische Zeichen finden sich bei 16 bis 20 Prozent der über 65-Jährigen. Bei symptomfreien Schultern zeigen 15 bis 75 Prozent bereits Veränderungen in der Bildgebung — die meisten davon ohne jede Beschwerde.

Ein wichtiger Punkt: Symptome und Röntgenbild stimmen häufig nicht überein. Manche Menschen mit deutlichen Arthrosezeichen haben wenig Beschwerden, während andere mit geringen Veränderungen erhebliche Schmerzen erleben. Die Behandlung richtet sich deshalb nach den individuellen Beschwerden und Einschränkungen — nicht nach dem Bild allein.

Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor — die Häufigkeit steigt ab dem 60. Lebensjahr deutlich an. Frühere Verletzungen (Frakturen, Luxationen), Instabilitäten und vorangegangene Schulteroperationen erhöhen das Risiko ebenfalls.

Typische Symptome

Wichtig vorweg: Viele Menschen mit Arthrosezeichen im Röntgenbild oder MRT haben keinerlei Beschwerden. Arthrosezeichen sind eine natürliche Veränderung, kein automatischer Grund für Schmerz. Wenn Beschwerden auftreten, entwickeln sie sich typischerweise schleichend über Monate bis Jahre:

  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, besonders bei Drehung nach außen und beim seitlichen Armheben
  • Knirschen oder Reiben bei Schulterbewegung (Krepitation) — häufig vorhanden, aber allein kein Grund zur Sorge
  • Zunehmende Steifigkeit mit schrittweisem Bewegungsverlust
  • Schmerz bei Belastung und in fortgeschrittenen Stadien auch nachts
  • Schwäche durch Schmerzhemmung und Muskelabbau
  • Alltägliche Tätigkeiten wie Haare kämmen, den Rücken waschen oder Gegenstände aus hohen Regalen nehmen können zunehmend schwierig werden

Die Beschwerden verlaufen oft schubweise — Phasen mit mehr Schmerzen wechseln sich mit besseren Phasen ab. Bewegung und leichte Belastung sind in der Regel besser verträglich als längere Ruhephasen.

Sofort ärztlich abklären bei

  • Starke nächtliche Schmerzen mit Gewichtsverlust oder Fieber (Tumor/Infektion ausschließen)
  • Plötzliche Schwäche und Funktionsverlust (begleitender Sehnenriss)
  • Zunehmende neurologische Symptome im Arm
  • Schmerzhafte Schwellung mit Rötung und Überwärmung

Ursachen und Risikofaktoren

Die primäre Schulterarthrose entsteht durch altersbedingten Umbau — der Knorpel verliert im Laufe des Lebens seine Regenerationsfähigkeit und wird dünner. Das ist ein natürlicher Prozess, der bei vielen Menschen ab dem 60. Lebensjahr sichtbar wird, ohne zwingend Beschwerden zu verursachen.

Sekundäre Formen entstehen durch vorausgegangene Verletzungen (Frakturen, Luxationen), Instabilitäten, vorangegangene Schulteroperationen oder entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis. Bei massiven, langbestehenden Rotatorenmanschettenrissen kann eine spezielle Form entstehen (Defektarthropathie), bei der der Oberarmkopf nach oben wandert.

Weitere Risikofaktoren: Vorangegangenes Trauma oder Instabilität an der Schulter, frühere Schulteroperationen, erhöhtes Körpergewicht und Fettmasse (über proinflammatorische Botenstoffe, zunehmend anerkannter Risikofaktor), genetische Veranlagung und entzündliche Gelenkerkrankungen.

Global nimmt die Belastung durch Arthrose insgesamt zu — frühe Arthroseentwicklung wird zunehmend mit Übergewicht und Gelenkverletzungen in Verbindung gebracht. Die Schulterarthrose ist dabei möglicherweise unterdiagnostiziert, weil verschiedene Klassifikationssysteme nebeneinander existieren.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand der typischen Symptome, der körperlichen Untersuchung und der Bildgebung gestellt.

Die körperliche Untersuchung zeigt eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung — besonders bei der Drehung nach außen. Krepitation (Knirschen) bei passiver Bewegung ist typisch. Schwäche bei aktiver Bewegung kann auf eine begleitende Schädigung der Rotatorenmanschette hinweisen, die bei Schulterarthrose häufig vorkommt.

Röntgenaufnahmen zeigen die typischen Arthrosezeichen: Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten und Verdichtung des darunterliegenden Knochens. Eine CT-Untersuchung dient der Beurteilung der Gelenkpfannenform — wichtig für die Planung eines möglichen Gelenkersatzes. Ein MRT ist sinnvoll, um den Zustand der Rotatorenmanschette und des Knorpels zu beurteilen.

Bildgebungsbefunde müssen im klinischen Kontext interpretiert werden. Arthrosezeichen in der Bildgebung sind bei symptomfreien Schultern extrem häufig (15 bis 75 Prozent) und begründen allein keine Behandlung. Der Befund "Arthrose" auf dem Röntgenbild ist keine Diagnose, die automatisch eine Therapie erfordert — erst die Kombination aus Befund und Beschwerden ist relevant.

Differenzialdiagnosen: Schulterschmerzen durch die Rotatorenmanschette (häufigste Differenzialdiagnose — aktive Bewegung schmerzhafter als passive), Frozen Shoulder (passive Beweglichkeit in allen Richtungen deutlich eingeschränkt), Kalkschulter (akuter Beginn, typisches Röntgenbild) und Defektarthropathie (Arthrose durch massiven Rotatorenmanschettenriss).

Natürlicher Verlauf und Prognose

Die Prognose der Schulterarthrose ist besser als oft befürchtet. Eine große Langzeitstudie zeigt: Etwa 86 Prozent der Schulterbeschwerden bestehen nicht dauerhaft über vier Jahre. Viele Menschen erleben Phasen mit mehr und weniger Beschwerden — ein dauerhaft schlechter Verlauf ist eher die Ausnahme als die Regel.

Funktionslevel — was ist jetzt möglich?

1Voll belastbarfrühe Phase

Gelegentliche Beschwerden bei Überkopf-Bewegungen oder nach Belastung. Alltag und Sport weitgehend möglich.

Aktiv bleiben, Rotatorenmanschette kräftigen
2Belastungsabhängigzunehmende Phase

Schmerzen bei wiederholten Überkopf-Aktivitäten und endgradigen Bewegungen. Bewegungsradius zunehmend eingeschränkt.

Krafttraining, Bewegung im schmerzarmen Bereich halten
3Alltagslimitierendfortgeschrittene Phase

Schmerzen bei normalen Alltagstätigkeiten (Anziehen, Haare kämmen, Greifen). Nachtschmerz möglich.

Strukturierte Physiotherapie, OP-Entscheidung gemeinsam abwägen
4OP-Kandidatbei hohem Leidensdruck

Starker Schmerz in Ruhe und nachts, deutlicher Funktionsverlust. Eine Schulterprothese kann Funktion und Lebensqualität wiederherstellen.

Operation ist ein etablierter Weg zur Wiederherstellung

Die Stadien dienen als Orientierung — der individuelle Verlauf kann abweichen.

Der natürliche Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich und schwer vorhersagbar. Ein Teil der Patienten bleibt über lange Zeiträume stabil, während andere eine fortschreitende Verschlechterung erleben.

Der stärkste Risikofaktor für anhaltende Schulterbeschwerden ist nicht die Arthrose selbst, sondern das Vorhandensein von Schmerzen in mehreren Gelenken gleichzeitig. Weitere ungünstige Faktoren: Fortgeschrittener Gelenkspaltsverlust, begleitende Rotatorenmanschettenschädigung, hohe Schmerzintensität zu Beginn und psychologische Faktoren wie geringes Vertrauen in die eigene Genesung.

Psychosoziale Faktoren spielen auch bei Schulterarthrose eine Rolle: Wer nicht daran glaubt, dass Physiotherapie helfen kann, hat nachweislich schlechtere Ergebnisse unter konservativer Therapie.

Behandlung – was wirklich hilft

Ziele: Schmerz reduzieren, Beweglichkeit erhalten und verbessern, Alltagsfunktion sichern. Konservative Therapie ist die Erstlinienbehandlung.

Übungstherapie (Erstlinienbehandlung)

Aktuelle Leitlinien empfehlen Übungstherapie als Erstlinienbehandlung bei Schulterarthrose. Die Kombination aus Beweglichkeitstraining (Dehnungen, passive und aktive Mobilisation) und Krafttraining (Rotatorenmanschette, Schulterblatt-Muskulatur, Deltamuskel) verbessert Schmerz und Funktion. Ein strukturiertes Programm über mindestens zwölf Wochen mit dreimal wöchentlichem Training zeigt klinisch relevante Verbesserungen. Manuelle Therapie kann ergänzend eingesetzt werden, reicht als alleinige Therapie aber nicht aus.

Schmerz bedeutet nicht Schaden

Moderate Schmerzen während der Übung (bis 5 von 10) sind akzeptabel und kein Zeichen für Schaden. Wer diesen Unterschied versteht, kann die Therapie konsequenter durchführen — Ruhe verschlechtert die Symptome langfristig.

Edukation

Aufklärung über die Erkrankung, realistische Erwartungen und die Bedeutung regelmäßiger Bewegung. Arthrose ist ein natürlicher Prozess, kein Zeichen für ein kaputtes Gelenk. Nicht jeder Röntgenbefund bedeutet, dass eine Operation nötig ist. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist das Vertrauen in die eigene Genesung und die aktive Mitarbeit.

Injektionstherapie

Hyaluronsäure-Injektionen zeigen die beste Evidenz unter den Injektionstherapien bei Schulterarthrose: Sie können Schmerzen reduzieren und sind in Kombination mit Physiotherapie wirksamer als Physiotherapie allein. Kortisoninjektionen bieten nur kurzfristigen Nutzen von wenigen Wochen und sind keine Langzeitlösung. Keine Injektion ersetzt aktive Therapie — Kräftigung und Bewegung bleiben die Basis.

Medikamente

Entzündungshemmende Gele (äußerlich) sind erste Wahl bei Bedarf. Tabletten (NSAR) kurzfristig in niedrigster wirksamer Dosis. Klären Sie die Einnahme und Dauer immer mit Ihrem Arzt ab.

Wann ein Gelenkersatz in Frage kommt

Ein künstliches Schultergelenk ist eine wirksame Option — aber erst dann, wenn konservative Therapie konsequent durchgeführt wurde und die Lebensqualität trotzdem erheblich eingeschränkt bleibt.

Die Indikation ergibt sich, wenn strukturierte Übungstherapie und Schmerzmanagement über mindestens drei bis sechs Monate keine ausreichende Besserung bringen, Nachtschmerz und Ruheschmerz bestehen und die Einschränkungen im Alltag gravierend sind. Radiologisch liegt in der Regel eine fortgeschrittene Arthrose vor.

Das Timing ist wichtig: Zu früh operieren bedeutet unnötige Risiken — besonders bei jüngeren Patienten unter 60 Jahren ist das Revisionsrisiko erhöht. Zu lange warten kann zu Muskelabbau, fortschreitender Rotatorenmanschettenschädigung und schlechteren OP-Ergebnissen führen. Der richtige Zeitpunkt wird individuell mit dem Orthopäden bestimmt.

Zwei Prothesentypen stehen zur Verfügung: Bei intakter Rotatorenmanschette ist die anatomische Totalendoprothese der Goldstandard. Die inverse (umgekehrte) Schulterprothese zeigt ähnliche funktionelle Ergebnisse bei niedrigerer Komplikationsrate und wird zunehmend eingesetzt — besonders bei begleitender Rotatorenmanschettenschädigung. Welcher Typ zum Einsatz kommt, hängt vom Zustand der Sehnen, der Knochenqualität und den individuellen Anforderungen ab.

Die Ergebnisse sind gut: Die Überlebensraten liegen nach zehn Jahren bei über 90 Prozent. Die meisten Patienten berichten über deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung. Präoperative Rehabilitation kann die Ausgangslage verbessern und die Erholung nach der Operation beschleunigen.

Was die Evidenz nicht unterstützt

Arthroskopisches Debridement: Das arthroskopische Glätten von Knorpel und Entfernen von freien Gelenkkörpern bei Schulterarthrose zeigt keine überzeugenden Langzeitergebnisse. Ähnlich wie am Knie ist der kurzfristige Effekt oft einem Placebo-Effekt zuzuschreiben. Der Eingriff verzögert in vielen Fällen nur den Zeitpunkt des Gelenkersatzes, ohne die Funktion dauerhaft zu verbessern.

Wiederholte Kortisoninjektionen: Eine einzelne Injektion kann kurzfristig Schmerzen lindern — aber der Effekt hält nur wenige Wochen. Wiederholte Injektionen sind keine Langzeitlösung und können die Sehnen- und Knorpelqualität verschlechtern. Hyaluronsäure zeigt bessere Langzeitergebnisse als Kortison.

Rein passive Therapie: Ultraschall, TENS, Elektrotherapie und andere passive Modalitäten haben als alleinige Behandlung bei Schulterarthrose keine überzeugende Evidenz. Sie können ergänzend zur aktiven Therapie eingesetzt werden, ersetzen aber nicht Kräftigung und Bewegung.

Übermäßige Bildgebung ohne therapeutische Konsequenz: Ein Röntgenbefund "Arthrose" führt manchmal zu unnötiger Verunsicherung. Bei 15 bis 75 Prozent der symptomfreien Schultern zeigen sich Arthrosezeichen — ein Befund allein begründet keine Behandlung und schon gar keine Operation.

Warum der Röntgenbefund nicht das letzte Wort hat

Das Wort "Verschleiß" wirkt wie ein Urteil: irreversibel, fortschreitend, unaufhaltsam. Bei Schulterarthrose kann dieser Nocebo-Effekt besonders stark sein, weil die Schulter ein Gelenk der Selbstständigkeit ist — Anziehen, Haare waschen, Gegenstände aus dem Regal nehmen, sich auf der betroffenen Seite drehen. Wenn diese alltäglichen Handlungen schmerzen, wächst das Gefühl, den eigenen Körper zu verlieren.

Nächtlicher Schmerz ist bei der Schulterarthrose ein besonders belastender Faktor. Viele Betroffene können nicht mehr auf der betroffenen Seite schlafen, wachen nachts durch Lageveränderungen auf und finden keine schmerzfreie Position. Chronischer Schlafmangel erhöht die Schmerzempfindlichkeit, senkt die Stimmung und die Belastbarkeit am Tag. Dieser Kreislauf aus Schmerz, Schlafstörung und Erschöpfung kann die Lebensqualität stärker beeinträchtigen als die Arthrose selbst.

Der Röntgenbefund "Arthrose" erzeugt oft Resignation: "Da kann man nichts mehr machen, außer operieren." Diese Überzeugung ist falsch. Krafttraining und Bewegungstherapie können die Funktion verbessern und Schmerzen lindern — unabhängig vom Röntgenbild. Die Stärke des Verschleißes im Bild korreliert nicht zuverlässig mit dem Ausmaß der Beschwerden. Manche Menschen mit deutlicher Arthrose im Röntgen haben kaum Schmerzen, andere mit milden Befunden erhebliche Einschränkungen.

Selbstwirksamkeit — das Vertrauen, die eigene Situation positiv beeinflussen zu können — ist ein Schlüsselfaktor. Wer versteht, dass Bewegung und Kraft die Schulter nicht weiter schädigen, sondern schützen, gewinnt Handlungsfähigkeit zurück.

In unserer Behandlung verbinden wir verständliche Aufklärung mit gezieltem Training: Was bedeutet der Befund wirklich? Welche Bewegungen helfen? Wie lässt sich der Schlaf verbessern? Das Ziel ist nicht, die Arthrose rückgängig zu machen, sondern die Funktion und das Wohlbefinden zu verbessern — und das Gefühl der Kontrolle über die eigene Schulter zurückzugewinnen.

Mögliche Komplikationen

Die Schulterarthrose ist eine chronische Veränderung, die bei adäquater Behandlung gut handhabbar ist. Folgende Situationen können auftreten:

  • Fortschreitender Bewegungsverlust: Ohne regelmäßige Bewegung und Übungstherapie kann die Schulter zunehmend steifer werden. Regelmäßige Bewegung — auch bei leichten Schmerzen — ist die beste Vorbeugung.
  • Begleitende Rotatorenmanschettenschädigung: Schulterarthrose und Rotatorenmanschettenprobleme treten häufig gemeinsam auf. Eine begleitende Sehnenruptur verändert die Therapiestrategie und kann die Operationsplanung beeinflussen (inverse Prothese statt anatomischer Prothese).
  • Nächtlicher Schmerz und Schlafstörungen: In fortgeschrittenen Stadien kann der Schmerz den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Lagerung mit Kissen unter dem Arm und angepasste Schmerzmedikation vor dem Schlafen können helfen.
  • Funktionelle Einschränkung im Alltag: Tägliche Verrichtungen wie Anziehen, Haare waschen oder Gegenstände greifen können zunehmend schwierig werden. Anpassungen im Alltag und gezielte Übungen für problematische Bewegungen können die Selbstständigkeit erhalten.
  • Übertherapie durch Bildgebung: Ein Röntgenbefund "Arthrose" führt manchmal zu unnötiger Verunsicherung und vorschnellen Operationsempfehlungen. Die Entscheidung zur Operation sollte sich an den Beschwerden orientieren — nicht am Bild.

Häufige Fragen

Ja. Übungstherapie mit Beweglichkeits- und Krafttraining ist die empfohlene Erstlinienbehandlung. Sie kann Schmerzen reduzieren, die Beweglichkeit verbessern und die Alltagsfunktion erhalten. Die Evidenz für Schulterarthrose ist dünner als für Knie- oder Hüftarthrose, aber die vorliegenden Studien und Leitlinien sprechen eine klare Empfehlung für aktive Therapie aus. Entscheidend ist, dass Sie an den Nutzen der Übungen glauben und diese regelmäßig durchführen — das ist der stärkste Erfolgsfaktor.

Nein. Radiologische Arthrosezeichen und Symptome stimmen häufig nicht überein. Bei symptomfreien Schultern zeigen 15 bis 75 Prozent bereits Veränderungen in der Bildgebung. Umgekehrt können manche Patienten mit geringen Röntgenveränderungen erhebliche Schmerzen haben. Arthrose ist Teil des natürlichen Alterns — wie graue Haare für die Gelenke. Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden, nicht nach dem Bild.

Ein Schultergelenkersatz wird in Erwägung gezogen, wenn konservative Therapie über drei bis sechs Monate keine ausreichende Besserung bringt und die Schmerzen und Einschränkungen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ergebnisse sind gut: Die Überlebensraten liegen nach zehn Jahren bei über 90 Prozent, die meisten Patienten berichten über deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung. Die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Orthopäden getroffen.

Eine Kombination aus Beweglichkeitsübungen (sanfte Dehnungen und passive Mobilisation) und Krafttraining (Rotatorenmanschette, Schulterblatt-Muskulatur, Deltamuskel) wird empfohlen. Pendelübungen können die Beweglichkeit sanft verbessern. Die Übungen werden an den individuellen Schmerz- und Beweglichkeitsstatus angepasst und schrittweise gesteigert. Moderate Schmerzen während der Übung sind akzeptabel — das ist normal und kein Zeichen für Schaden.

Hyaluronsäure-Injektionen zeigen die beste Evidenz unter den Injektionstherapien: Sie können Schmerzen bei moderater Schulterarthrose reduzieren und sind in Kombination mit Physiotherapie wirksamer als Physiotherapie allein. Kortisoninjektionen bieten nur kurzfristigen Nutzen von wenigen Wochen und sind keine Langzeitlösung. Keine Spritze ersetzt aktive Therapie — Kräftigung und Bewegung bleiben die Basis.

Ja. Regelmäßige Bewegung ist sogar ausdrücklich empfohlen — sie hilft, die Gelenkfunktion zu erhalten, Schmerzen zu reduzieren und die Muskulatur zu stärken. Geeignet sind Sportarten ohne starke Schlagbelastung auf die Schulter: Schwimmen, Radfahren, Wandern, moderates Krafttraining. Die Belastung wird an die individuelle Verträglichkeit angepasst. Schmerzprovokation während der Belastung ist akzeptabel, solange sich die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden wieder einpendeln.

Nicht unbedingt. Etwa 86 Prozent der Schulterbeschwerden bestehen nicht dauerhaft — viele Menschen erleben Phasen mit mehr und weniger Beschwerden. Die Progression verläuft individuell sehr unterschiedlich und ist schwer vorhersagbar. Regelmäßige Bewegung und Kräftigung können den Verlauf positiv beeinflussen. Der stärkste Risikofaktor für anhaltende Beschwerden ist nicht die Arthrose selbst, sondern das Vorhandensein von Schmerzen in mehreren Gelenken gleichzeitig.

Quellen & Literatur

  1. Michener LA, Heitzman J, Abbruzzese LD, et al. Physical Therapist Management of Glenohumeral Joint Osteoarthritis: A Clinical Practice Guideline from the American Physical Therapy Association. Phys Ther. 2023;103(6):pzad041. doi:10.1093/ptj/pzad041.
  2. Ibounig T, Simons T, Launonen A, Paavola M. Glenohumeral osteoarthritis: an overview of etiology and diagnostics. Scand J Surg. 2021;110(3):441-451. doi:10.1177/1457496920935018.
  3. Ibounig T, Sanders S, Haas R, et al. Systematic Review of Shoulder Imaging Abnormalities in Asymptomatic Adult Shoulders (SCRUTINY): Abnormalities of the glenohumeral joint. Osteoarthritis Cartilage. 2024;32(10):1184-1196. doi:10.1016/j.joca.2024.06.001.
  4. Migliorini F, et al. Intra-articular injections for shoulder arthritis: a systematic review. Eur J Med Res. 2025;30:387. doi:10.1186/s40001-025-03423-4.
  5. Familiari F, et al. Efficacy of intra-articular hyaluronic acid in glenohumeral osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. J Orthop Res. 2023. doi:10.1002/jor.25648.
  6. Tran G, Dube B, Kingsbury SR, et al. Shoulder Symptom Trajectories Over Four Years: Data From a Longitudinal Study on Osteoarthritis. Arthritis Care Res. 2024;76(10):1436-1443. doi:10.1002/acr.25383.
  7. GBD 2021 OA Collaborators. Global burden of osteoarthritis, 1990-2020. Lancet Rheumatol. 2023;5(9):e508-e522. doi:10.1016/S2665-9913(23)00163-7.
  8. Valsamis EM, et al. Shoulder replacement outcomes: linked national registry data from England and Denmark. BMC Med. 2025;23:180. doi:10.1186/s12916-025-04003-3.
  9. Daher M, Boufadel P, Fares MY, et al. Reverse versus anatomic total shoulder arthroplasty for glenohumeral osteoarthritis with intact cuff: a meta-analysis of clinical outcomes. J Shoulder Elbow Surg. 2025;34(1):190-202. doi:10.1016/j.jse.2024.06.026.
  10. Lalande S, Moffatt M, Littlewood C. Shoulder osteoarthritis: A survey of current (2024) UK physiotherapy practice. Musculoskelet Care. 2024;22(4):e1917. doi:10.1002/msc.1917.
  11. NICE NG157. Joint replacement (primary): hip, knee and shoulder. 2020.
  12. Williams BT, Beletsky A, Kunze KN, et al. Outcomes and Survivorship After Arthroscopic Treatment of Glenohumeral Arthritis: A Systematic Review. Arthroscopy. 2020;36(7):2010-2021. doi:10.1016/j.arthro.2020.02.036.

Zuletzt aktualisiert: 2026-04-04

Schulterarthrose behandeln lassen

Evidenzbasierte Physiotherapie bei Ihnen zu Hause in Düsseldorf und Umgebung. 60-Minuten-Termine. Keine Wartezeit.