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Diagnose

Golferellenbogen

Die Innenseite braucht Belastung, nicht Schonung

Verfasst und geprüft von Dimitrios RallisAktualisiert: 10 wissenschaftliche QuellenMehr über den Therapeuten

Was ist das?

Sehnenveränderung an der Innenseite des Ellenbogens durch Überlastung der Beugemuskulatur des Unterarms. Es handelt sich nicht um eine Entzündung, sondern um einen Umbauprozess der Sehne. Betrifft vor allem Menschen mit repetitiven Greif- und Beugebewegungen, nicht nur Golfspieler. Die Sehne ist nicht kaputt, sie hat ihre Belastungsgrenze überschritten. Der Ellennerv verläuft in unmittelbarer Nähe und kann begleitende Symptome verursachen.

Symptome

Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, verstärkt bei Greifbewegungen, Handgelenkbeugung und Einwärtsdrehung des Unterarms. Kraftminderung beim Zupacken. Kribbeln oder Taubheit im Ring- und Kleinfinger bei Beteiligung des Ellennervs. Typischer schleichender Beginn ohne klares Verletzungsereignis.

Prognose

Günstig: Etwa 90 Prozent erholen sich innerhalb von zwölf Monaten mit konservativer Therapie. Bei begleitender Nervenirritation kann der Verlauf etwas länger dauern. Der Sehnenumbauprozess braucht Zeit — vollständige Gewebsanpassung dauert Monate.

Sofortmaßnahmen

Schmerzauslösende Tätigkeiten vorübergehend anpassen, nicht komplett vermeiden — die Sehne braucht Belastungsreize für ihre Erholung. Griffweite und Werkzeugpolsterung optimieren. Leichte isometrische Übungen schmerzadaptiert beginnen. Bei Kribbeln oder Taubheit in den Fingern ärztlich abklären.

Was ist ein Golferellenbogen?

Der Golferellenbogen entsteht durch eine Überlastung der Sehnenansätze an der Innenseite des Ellenbogens. Betroffen ist der gemeinsame Ursprung der Beugemuskeln und Einwärtsdreher des Unterarms — eine Muskelgruppe, die bei Greif-, Beuge- und Drehbewegungen besonders beansprucht wird. Wie beim Tennisellenbogen zeigt die Sehne keine klassische Entzündung, sondern einen Umbauprozess des Gewebes — eine Tendinopathie.

Trotz des Namens sind nur etwa 8 Prozent der Fälle mit Golfspielen verbunden. Deutlich häufiger sind berufliche Tätigkeiten mit repetitiven Handbewegungen die Ursache: Handwerker, Metzger, Tischler und Installateure sind überproportional betroffen. Im Sport entsteht die Überlastung häufig beim Klettern, Gewichtheben und bei Wurfsportarten.

Die Sehne ist nicht kaputt — sie hat ihre aktuelle Belastungsgrenze überschritten. Das Gewebe durchläuft einen Umbauprozess, der durch gezielte Belastung gefördert und durch Schonung gebremst wird.

Eine wichtige Besonderheit gegenüber dem Tennisellenbogen: Der Ellennerv verläuft direkt neben dem Sehnenansatz an der Innenseite des Ellenbogens. Durch die anatomische Nähe kann er begleitende Symptome verursachen — Kribbeln oder Taubheit im Ring- und Kleinfinger. Ob es sich um eine eigenständige Nerveneinklemmung (Sulcus-ulnaris-Syndrom) oder um eine begleitende Irritation handelt, muss in der Diagnostik aktiv abgeklärt werden, weil es den Therapieplan und die Prognose beeinflusst.

Typische Symptome

Die Beschwerden beginnen meist schleichend und verstärken sich über Wochen. Typische Symptome sind:

  • Schmerz an der Innenseite des Ellenbogens, oft ausstrahlend in die Unterarmbeugemuskulatur
  • Verstärkung bei Greifbewegungen, Handgelenkbeugung und Einwärtsdrehung gegen Widerstand
  • Kraftminderung beim Zupacken — die schmerzfreie Griffstärke ist auch hier der empfindlichste Verlaufsparameter
  • Morgendliche Steifigkeit oder Anlaufschmerz
  • Bei Beteiligung des Ellennervs: Kribbeln oder Taubheit im Ring- und Kleinfinger, gelegentlich Schwäche beim feinen Greifen

Tritt der Schmerz vor allem bei bestimmten Greifbewegungen auf und lässt in Ruhe nach, spricht das für eine typische Überlastungssymptomatik. Ist der Schmerz auch in Ruhe dauerhaft vorhanden, deutet das auf eine höhere Irritierbarkeit der Sehne oder eine Beteiligung des Ellennervs hin — beides beeinflusst die Therapieplanung.

Sofort ärztlich abklären bei

  • Instabilität bei Seitwärtsbelastung (Seitenbandverletzung)
  • Fortschreitende neurologische Defizite (Ellennerv-Schädigung)
  • Akute Verletzung am Ellenbogen (Fraktur ausschließen)
  • Schwellung und Rötung (Infektion, Gicht)

Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptursache ist eine wiederholte Überlastung der Unterarmbeugemuskulatur durch Greif-, Beuge- und Drehbewegungen. Die Sehne wird dabei mehr belastet, als sie sich zwischen den Belastungen erholen kann — es entsteht ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit.

Häufige Auslöser: Repetitive Handgelenkbeugung und kraftvolles Greifen im Beruf (Handwerker, Metzger, Tischler, Installateure), Klettern, Gewichtheben, Wurfsportarten (besonders bei Überkopfwürfern wie Baseballpitchern) und Golf (bei fehlerhafter Grifftechnik). Ein einzelnes Ereignis ist selten die Ursache — meist entwickeln sich die Beschwerden über Wochen durch eine Summe kleiner Überlastungen.

Risikofaktoren: Alter zwischen 40 und 60 Jahren, repetitive Arbeitsbelastung mit hoher Kraftanwendung, Diabetes (beeinträchtigt die Sehnenqualität und Heilungsfähigkeit), Rauchen (vermindert die Sehnendurchblutung), Übergewicht und Schlafmangel. Frauen sind in der Allgemeinbevölkerung leicht häufiger betroffen als Männer.

Die gute Nachricht: Was durch Belastung entstanden ist, kann durch gezielte Belastung auch wieder besser werden. Die Sehne passt sich an die Anforderungen an — vorausgesetzt, die Belastung wird schrittweise gesteigert.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung gestellt. Bildgebung ist bei typischer Präsentation nicht erforderlich.

In der Untersuchung werden Handgelenkbeugung und Einwärtsdrehung gegen Widerstand getestet. Der Druckschmerz liegt typischerweise am oder knapp unterhalb des Knochenvorsprungs an der Innenseite des Ellenbogens. Die schmerzfreie Griffstärke im Seitenvergleich ist wie beim Tennisellenbogen der wichtigste Verlaufsparameter.

Der Ellennerv wird immer mituntersucht — das ist der entscheidende Unterschied in der Diagnostik gegenüber dem Tennisellenbogen. Ein Klopftest am Nervenverlauf hinter dem Ellenbogen und die Prüfung der Fingersensibilität im Ring- und Kleinfinger sind Standardbestandteile der Untersuchung. Bei positiven Nervenzeichen wird die Therapie entsprechend angepasst.

Bildgebung ist nur bei diagnostischer Unsicherheit oder therapieresistenten Verläufen sinnvoll. Ultraschall kann Sehnenveränderungen darstellen, MRT zeigt Begleitpathologien und den Zustand des Ellennervs. Röntgenaufnahmen zeigen gelegentlich Verkalkungen am Sehnenansatz.

Differenzialdiagnosen: Seitenbandverletzung des Ellenbogens (bei Sportlern — insbesondere Wurfsportarten), Ellennerv-Einklemmung (Sulcus-ulnaris-Syndrom — ähnliche Nervensymptome, aber andere Ursache), ausstrahlende Beschwerden von der Halswirbelsäule, Ellenbogenarthrose.

Natürlicher Verlauf und Prognose

Der natürliche Verlauf ist überwiegend günstig: Etwa 90 Prozent der Betroffenen werden innerhalb von zwölf Monaten mit konservativer Therapie beschwerdefrei oder deutlich gebessert. Die Prognose ist insgesamt vergleichbar mit dem Tennisellenbogen, kann aber bei begleitender Nervenbeteiligung etwas weniger günstig sein.

Warum dauert Sehnenheilung so lange?

Sehnengewebe besteht aus Kollagen Typ I — der Umbau von ungeordnetem Ersatzgewebe (Typ III) zu belastungsfähigem Gewebe dauert biologisch 300 bis 500 Tage. Das erklärt, warum manche Betroffene sich verbessern, die Therapie abbrechen und einen Rückfall erleben — die Sehne war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig umgebaut.

Faktoren, die eine längere Erholung begünstigen: Begleitende Reizung des Ellennervs, Beschwerden länger als drei Monate vor Therapiebeginn, hohe berufliche Belastung mit geringer Anpassungsmöglichkeit, gleichzeitige andere Ellenbogenprobleme und psychosoziale Belastungsfaktoren.

Weniger als 10 Prozent der Betroffenen benötigen eine operative Behandlung. Die Entscheidung wird nach Versagen der konservativen Therapie über sechs bis zwölf Monate gemeinsam mit dem Arzt getroffen.

Behandlung – Belastung als Therapie

Ziel: Die Sehne wieder belastbar machen und die Funktion im Alltag wiederherstellen. Die Therapieprinzipien sind dem Tennisellenbogen sehr ähnlich — mit dem zusätzlichen Baustein der neuralen Mobilisation bei Nervenbeteiligung.

Aufklärung und Belastungsmanagement

Schmerzauslösende Tätigkeiten werden identifiziert und vorübergehend angepasst — nicht komplett vermieden. Die wichtigste Botschaft: Die Sehne ist nicht kaputt, sie braucht eine angepasste Belastung. Vollständige Schonung ist kontraproduktiv, weil Bindegewebe auf Be- und Entlastung angewiesen ist. Griffweite optimieren, Werkzeuge polstern und die Grifftechnik beim Sport korrigieren. Eine Epicondylitis-Bandage kann kurzfristig unterstützen.

Progressive Belastungstherapie (Kernbehandlung)

Schrittweise Kräftigung ist die wirksamste Intervention. Langsames Krafttraining mit höherer Last (Heavy Slow Resistance) zeigt besonders gute Ergebnisse.

Die 24-Stunden-Regel

Moderate Schmerzen während der Übung (3–5 von 10) sind akzeptabel, solange der Schmerz nach 24 Stunden auf das Ausgangsniveau zurückkehrt. Sonst war die Belastung zu hoch.

4-Phasen-Modell der Rehabilitation

1Schmerzlinderung1–3 Wochen

Isometrisch — halten ohne Bewegung

2Kraftaufbau6–12 Wochen

Heavy Slow Resistance — langsam und schwer

3Energiespeicherung4–8 Wochen

Funktionell — Greifen, Drehen und kontrolliertes Werfen

4Energiespeicherung und Kraftübertragung4–12 Wochen

Sportspezifisch — volle Wurfkraft und Griffbelastung

Die Zeitangaben dienen als Orientierung — die Progression richtet sich nach Ihrem individuellen Verlauf.

Aufklärung und Selbstmanagement

Die Sehne ist nicht kaputt — sie braucht eine angepasste, schrittweise Belastung zur Erholung. Vollständige Schonung ist kontraproduktiv, weil Bindegewebe auf Be- und Entlastung angewiesen ist. Der Sehnenumbau dauert Monate — Geduld und Konsequenz sind entscheidend.

Die Übungen dürfen leicht spürbar sein, aber keinen starken Schmerz auslösen. Nach der Übung sollte der Schmerz innerhalb von 24 Stunden auf das Ausgangsniveau zurückkehren.

Neurale Mobilisation (bei Nervenbeteiligung)

Wenn der Ellennerv begleitende Symptome verursacht (Kribbeln, Taubheit im Ring- und Kleinfinger), können gezielte Gleitübungen für den Nerv in das Programm integriert werden. Der Nerv wird dabei sanft in seiner Gleitbahn mobilisiert — nicht gedehnt. Bei Verdacht auf eine eigenständige Nerveneinklemmung (Sulcus-ulnaris-Syndrom) sollte eine weiterführende Abklärung erfolgen.

Ärztliche Aspekte

Kortisoninjektionen werden nicht empfohlen — sie lindern kurzfristig, verschlechtern aber den Langzeitverlauf. Beim Golferellenbogen kommt hinzu, dass der Ellennerv in unmittelbarer Nähe liegt, was das Injektionsrisiko erhöht. PRP-Injektionen (plättchenreiches Plasma) zeigen vielversprechende Ergebnisse bei therapieresistenten Fällen und können eine Alternative zur Operation sein. Stoßwellentherapie zeigt moderate Effekte als Ergänzung. Bei Therapieversagen nach sechs bis zwölf Monaten kann eine operative Therapie erwogen werden — bei der Operation wird das veränderte Sehnengewebe entfernt und gegebenenfalls der Ellennerv verlagert.

Warum der Ellenbogen nicht das ganze Problem ist

Ein Golferellenbogen betrifft den Griff — und damit eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten. Wenn das Öffnen eines Glases schmerzt, das Händeschütteln zur Qual wird und das Werkzeug nicht mehr sicher gehalten werden kann, entsteht eine Frustration, die weit über den Ellenbogen hinausgeht. Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl der Ohnmacht: Der Körper versagt bei etwas, das früher mühelos funktionierte.

Diese Frustration kann in einen Teufelskreis münden, den die Schmerzforschung als Fear-Avoidance-Modell beschreibt: Schmerz beim Greifen löst Angst vor weiterer Schädigung aus. Die Angst führt dazu, dass Betroffene greifintensive Tätigkeiten vermeiden — beruflich, sportlich, im Alltag. Die Vermeidung führt zu einem Rückgang der Griffstärke und Belastbarkeit. Und die verringerte Belastbarkeit führt zu mehr Schmerz bei geringerer Belastung. So kann eine ursprünglich einfache Überlastung über Monate bestehen bleiben.

Ein besonderer Aspekt beim Golferellenbogen: Wenn zusätzlich der Ellennerv mitgereizt ist und Kribbeln in den Fingern verursacht, können Betroffene verunsichert sein, ob etwas Ernstes mit ihren Nerven nicht stimmt. Diese Unsicherheit kann die Angst vor Belastung verstärken. Aktuelle Forschung zeigt, dass bei länger bestehenden Beschwerden auch die Schmerzverarbeitung im Nervensystem empfindlicher werden kann — der Schmerz wird intensiver, ohne dass der Sehnenschaden größer wird.

Der Schlüssel liegt im Verständnis: Die Sehne ist nicht kaputt, sie hat ihre Belastungsgrenze überschritten. Schmerz bei Belastung bedeutet nicht, dass Schaden entsteht. Der Unterschied zwischen "es tut weh" und "es schadet" ist zentral für die Genesung. Wer diesen Unterschied versteht, kann das Übungsprogramm konsequenter durchführen und damit den Teufelskreis durchbrechen.

Mögliche Komplikationen

Die meisten Menschen mit Golferellenbogen erholen sich mit angemessener Behandlung gut. Folgende Situationen können den Verlauf erschweren:

  • Begleitende Nervenirritation: Der Ellennerv verläuft in unmittelbarer Nähe des Sehnenansatzes und kann begleitend irritiert sein oder eine eigenständige Einklemmung aufweisen. Unerkannt kann dies den Genesungsverlauf erheblich verlangsamen. Deshalb wird der Nerv bei jeder Untersuchung systematisch mitgeprüft.
  • Chronifizierung: Bei unveränderter Belastung und fehlender Therapie können die Beschwerden persistieren. Wer die Therapie abbricht, sobald die Schmerzen nachlassen, riskiert Rückfälle — die Sehne ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig umgebaut. Konsequente Übungstherapie und Belastungsanpassung sind die beste Vorbeugung.
  • Verschlechterung durch Kortisoninjektionen: Wiederholte Injektionen können die Sehnenqualität beeinträchtigen und den Verlauf langfristig verschlechtern. Beim Golferellenbogen besteht zusätzlich das Risiko einer Nervenirritation durch die Injektion.
  • Veränderte Schmerzverarbeitung: Bei längerer Beschwerdedauer kann das Nervensystem empfindlicher auf Belastung reagieren. Dies ist keine Verschlimmerung des Sehnenschadens, sondern eine veränderbare Anpassung des Schmerzsystems.
  • Seitenbandinstabilität: Bei Wurfsportlern muss eine begleitende Instabilität des inneren Seitenbandes ausgeschlossen werden — sie kann ähnliche Symptome verursachen und erfordert eine andere Behandlung.

Häufige Fragen

Beim Golferellenbogen sind die Beugemuskeln an der Innenseite betroffen, beim Tennisellenbogen die Streckmuskeln an der Außenseite des Ellenbogens. Beide entstehen durch ähnliche Mechanismen — Überlastung durch repetitive Bewegungen — und die Therapieprinzipien sind vergleichbar: progressive Belastungssteigerung und Aktivitätsanpassung. Der wesentliche Unterschied: Beim Golferellenbogen verläuft der Ellennerv in unmittelbarer Nähe und kann begleitende Symptome wie Kribbeln in den Fingern verursachen.

Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Der Sehnenumbau braucht Zeit und die richtigen Belastungsreize — die Gewebsanpassung erstreckt sich über Monate. Bei begleitender Nervenirritation kann der Verlauf etwas länger dauern. Geduld und Konsequenz sind entscheidend.

Als Einstieg eignen sich isometrische Übungen: Die Hand gegen einen festen Widerstand in Beugung drücken, ohne die Position zu verändern. Danach folgen langsame Kraftübungen mit Theraband oder leichter Hantel — sowohl Handgelenkbeugung als auch Einwärtsdrehung des Unterarms. Ein typisches Schema: drei Sätze mit acht bis zwölf Wiederholungen, Steigerung alle ein bis zwei Wochen. Die Übungen dürfen leicht spürbar sein, aber keinen starken Schmerz auslösen. Nach der Übung sollte der Schmerz innerhalb von 24 Stunden auf das Ausgangsniveau zurückkehren.

Nein. Wie beim Tennisellenbogen zeigt die Evidenz: Kortison lindert kurzfristig Schmerzen, verschlechtert aber den Langzeitverlauf. Die Rezidivrate nach Injektion ist hoch. Aktuelle Leitlinien raten von routinemäßigen Kortisonspritzen ab. Bei einem Golferellenbogen kommt hinzu, dass der Ellennerv in unmittelbarer Nähe liegt — eine Injektion birgt zusätzliche Risiken. Übungstherapie ist die bessere Alternative.

Ja, und das ist die wichtigste Besonderheit gegenüber dem Tennisellenbogen. Der Ellennerv verläuft direkt neben dem Sehnenansatz an der Innenseite des Ellenbogens. Durch die anatomische Nähe kann er begleitend irritiert sein oder eine eigenständige Einklemmung (Sulcus-ulnaris-Syndrom) vorliegen. Typische Zeichen: Kribbeln oder Taubheit im Ring- und Kleinfinger, Schwäche beim feinen Greifen. Diese Beteiligung muss erkannt und gezielt abgeklärt werden.

Anhaltende Beschwerden haben oft mehrere Ursachen. Neben der Sehne selbst kann eine unerkannte Nervenbeteiligung den Verlauf verzögern. Bei länger bestehenden Beschwerden kann sich auch die Schmerzverarbeitung im Nervensystem verändern — das Schmerzsystem wird empfindlicher, ohne dass der Sehnenschaden größer wird. Wiederholte Kortisoninjektionen können den Verlauf zusätzlich verschlechtern. Ein ganzheitlicher Ansatz mit Kräftigung, Nervenmobilisation, Aufklärung und Adressierung psychosozialer Faktoren zeigt die besten Ergebnisse.

Nur selten. Weniger als 10 Prozent der Betroffenen benötigen eine Operation, und nur nach Versagen der konservativen Therapie über sechs bis zwölf Monate. Bei der Operation wird das veränderte Sehnengewebe entfernt und gegebenenfalls der Ellennerv verlagert. Die Erfolgsrate liegt bei 80 bis 90 Prozent.

In den meisten Fällen ja — mit Anpassungen. Greifintensive Übungen vorübergehend reduzieren, Griffweite und Griffpolsterung optimieren. Vollständige Trainingspause ist nicht empfehlenswert — die Sehne braucht Belastungsreize für ihre Erholung. Bindegewebe lebt von Be- und Entlastung. Begleitendes Krafttraining für die Unterarmmuskulatur ist Teil der Therapie.

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Zuletzt aktualisiert: 2026-04-04

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